Pressestimmen zur Strunxsitzung 2006
Aachener Zeitung
Pessoa für Arme galoppiert genial von Gag zu Gag
Von unserem Redakteur Matthias Hinrichs
15. Strunx-Premiere verzückt die Fans mit einem wahnwitzigen Rundumschlag zwischen Reit- und Fußball-Kult, Bauhaus und bissiger Polit-Satire.
Aachen. Neunmalkluge Internet-Recherche? Nützt diesmal janüüs! Diese Premiere war wirklich eine - und was für eine! Von wegen Scherz auf Merz: Manfred Hammers und Rudi Zins galoppierten als konditionsstärkste Zugzebras der karnevalistischen Kappertz-Kanonade vornweg - und schlugen zum Auftakt der 15. Strunx-Stafette im Saalbau Rothe Erde ihre berühmt-berüchtigten Schüttelreim-Schlachten, ohne sich selbst in die Pfanne des schärfstens gewürzten alternativen 18-Gänge-Menüs auf Kosten jedweder (Öcher) Befindlichkeiten zu hauen.
Etwa so: „Du wirst ja immer bleicher, Spatz - fehlt dir am Ende Speicherplatz?“ Eben nicht: Das geniale Gag-Gespann meisterte seine rhetorischen Dressurnummern einmal mehr mit null Fehlern. Im rund dreieinhalbstündigen Total-ejal-Parcours nahmen die Moderatoren nebst rund 50-köpfiger Bühnentruppe (fast) jede Tabu-Hürde im Höhenflug.
Und dennoch verloren die alternativen Jecken dabei nicht die obligate Bodenhaftung, wenn es um Aufreger-Nummern zwischen Bauhaus, Rasen-Meisterschaften oder auch Polit-Akrobatik auf höchsten Etagen ging. So wie Günter „Schabbi“ Schabram, der die frenetische Fanschar als schmollendes Fischpüddelchen hinriss. Und selbstredend ein paar heiße Tipps an die Adresse des OB zwecks Realisierung gewisser Europa-Enklaven am Katschhof parat hatte: per Erotik-Offensive bei Madame Merkel persönlich könne und müsse der Herr Linden allemal über sich hinaus wachsen, wenn's um die Realisierung des Bauhauses gehe.
Aus gegebenem Anlass vergaß das klein gebliebene Bronze-Bübchen selbst freilich nicht, seinen ureigensten Standpunkt im Hinblick auf jüngste Karikaturen-Kämpfe klarzumachen: „Solange der Bischof sich nicht dafür entschuldigt, dass die Katholiken mich einst vom Sockel geholt haben, bleib' ich pudelnudel hier stehen und guck' den Dom nur mit de Futt an!“
Entschuldigungen per Inflation hagelte es hernach prompt beim satirischen Sauna-Intermezzo mit den (Ex-)Spitzen der Parteienlandschaft von Schröder bis Merkel, die allesamt die seltene Kultur der Selbstkritik auf die hahnebüchendsten Gipfel trieben (Veronika Siebert, Norbert Conrads, Anette Reisig, Helmut Reis, Michael Dahmen, Martin Ebner). Zum Glück ist es ums Selbstbewusstsein des gemeinen Rasen-Fans heuer besser bestellt: „Grautvornix“ ließ die Fieberkurve zur Fußball-WM als chaotische Camping-Crew am „Deutschländer-Grill“ in ungeahnte Höhen schnellen - köstlich.
Auf dem heiligsten Grün des Grenzlandes allerdings ließ Büttenredner Hammers als Pessoa für Arme keinen Zweifel an seiner Extra-Klasse in Sachen Lachmuskel-Dressur, schwadronierte sich bissigst durch den Zeltstadt-Zinnober à la CHIO, „wo's alles gibt, was dein Pferd so braucht, von der Stereoanlage bis zum Handyvertrag“, und setzte hernach zum grandiosen Ritt über jegliche Hürden des guten Geschmacks an. Souverän wie je nahm er sein Publikum an die Zügel, um ihm die Soers-typischen „Ahhs“ und „Oohs“ zwischen Lattenklappern und Oxer-Zerlegen zu entlocken . . .
Ein Prinz aus Seife
So war der Boden bestens bereitet für „Prinz Zentaur“ (Dr. Volker
Steinbiß) nebst „Huf-Staat“, jenen heimlichen Superstar des nahenden WM-Spektakels in der Soers, den die Strunxler mit einem raffinierten DNA-Cocktail aus edelster Pferdeseife und feinstem Menschenmaterial aus der Taufe heben ließen. Motto: Halb Mensch, halb Ross, aber ganzer Chauvi, revolutioniert der selbst ernannte Favorit von des Genmixes Gnaden die Reiterwelt: „Ich such' mir meine Striegel-Mädels selber aus und nehm' die dreifache Kombination im Hechtsprung!“ Allein, wegen vielfach platter Parodie und zwar sehr sympathischer, aber eher Kaltblüter-verdächtiger Ausstrahlung konnte der Prinz dem Publikum am Ende allenfalls einen CHIO-typischen Applaus entlocken: freundlich, aber nicht frenetisch.
Total ejal: Dafür sorgten viele weitere herrliche Nummern, allen voran die neuerliche Neueinweihung des neuen Kaufhofs ( Arlette Fincken und Kurt Radermacher als urkomische Uröcher auf Galeria-Abwegen) nebst dreisten Damen am Männerwühltisch (schlüpfrig-schön Isolde Conradus, Arlette Fincken, Gaby Dufern, Norbert Becker, Stefan Huppertz, Dieter Grosse-Heilmann, Krenne Aymanns, Helmut Reis, Martin Ebner, Kristof Jünemann, Manni Grouls), die „5 Lustigen 4“ (elend komisch: Manni Rüsel, Veronika Siebert, Jörg Limbrock, Michael Dahmen) sowie - als grandios-galliger Abschluss - die Alki-Parade mit „Dieter Thomas Sekt“ und vielen promillegeschwängerten Protagonisten der Schlagerwelt (Manni Rüsel, Eva Vleek, Anja Schmidt, Kurt Radermacher, Norbert Becker). Feinstes Finale! Auch weil die hitverdächtige Schlussnummer den phantastischen Musikern der West-K-Pelle einen höchst verdienten Sonderapplaus des restlos begeisterten Publikums bescherte.
Aachener Nachrichten
Strunx liefert 1a-Ideen fürs Baumhaus vom OB
Mit den ersten drei Sitzungen sind die Alternativ-Jecken am Wochenende in die Session 2006 gestartet. Auch im 15. Jahr haben sie weit mehr Witziges auf Lager als manch ein Ritter bei seiner ersten und einzigen Büttenrede.
Von unserem Redakteur Gerald Eimer
Aachen. Das Ende kommt wie immer allzu flott: Eben noch tanzen hunderte Strunx-Fans ausgelassen auf Tischen und Bänken, da soll alles schon wieder vorbei sein. Dreieinhalb Stunden sind um, behauptet die Uhr - die gefühlte Zeit liegt weit darunter. Für die nun auch in die Jahre gekommenen Jecken aus dem links-alternativen Milieu ist Strunx 2006 mal wieder der reine Jungbrunnen.
Während anderen schon bei ihrer ersten und einzigen Karnevalsrede kein eigenes Witzchen einfällt, gehen den Strunxlern die Ideen auch im 15. Jahr nicht aus. Das gilt nicht zuletzt für das Moderatoren-Duo Manni Hammers und Rudi Zins, das mit geballtem Hang zum Nonsense 17 Sketche zu einem kurzweiligen Ganzen verknüpft.
Dass die beiden Herren in manchen Nummern allenfalls auf lüsternem Bildzeitungs-Niveau über Sex kalauern, lässt sich verkraften und ist in Karnevalszeiten auch unter Alternativen allemale für befreiendes Gelächter gut. Mag sein, dass man das Zotige als letzten Beweis für den kalkulierten Ta-Ta-Tabubruch braucht.
Richtig gut sind die Strunxler jedoch an anderer Stelle, ganz ohne Tabubruch, aber voller Witz und Lokalkolorit. Kurt Radermacher und Arlette Fincken etwa als Gerd und Gabi im Kaufhof. Oder Günter Schabram als „Fischpüddelchen“. Wer keine Gelegenheit hat, die Brunnenfigur im Gespräch mit dem arg sorgengeplagten Oberbürgermeister über dessen geplantes „Baumhaus“ am Katschhof auf den Strunx-Sitzungen zu erleben, sollte sich zumindest den Auftritt auf der närrischen Ratssitzung am Mittwoch nicht entgehen lassen.
Großartig einmal mehr auch die „5 lustigen 4“, die in ihrer unendlichen Unbeholfenheit diesmal einen herben Verlust zu beklagen haben: „Angela Merkel war eigentlich immer eine von uns, aber die hat doch ihren Typ gewechselt.“
Im „Poona des Pferdesports“ - Aachen also - kommen selbst Strunxler an den dräuenden Weltreiterspielen nicht vorbei. Damit auch Ahnungslose in diesem Jahr Kompetenz heucheln können, gibt Manni Hammers Nachhilfe. Und so wissen wir nun, dass laute Anfeuerungsrufe beim Hindernisritt unerwünscht sind. Stattdessen proben wir „verkrampftes Mitstöhnen“, dass sich anhört „wie der Übergang vom Klimakterium zum Bridgeabend“.
Zu den Highlights gehört ganz sicher auch die Schnäppchenjagd am Männerwühltisch. Und wenn am Ende die von „Dieter Thomas Sekt“ präsentierte „Alki-Parade“ über die Bühne geht, sind endgültig auch die leicht schwächelnden Camping-, Prinz- und Yoga-Nummern vergessen.
Manni Rüsel macht den Schreihals der deutschen Schlagerszene. Spätestens jetzt steht der Laden Kopf und singt inbrünstig die Fetenknaller seliger Hitparadentage mit.
Mitten im schönsten Gewühle, verkünden die Herren Zins und Hammers das Ende der Sitzung und vertrösten auf die anschließende Party mit der bewährten Hausband „West K. Pelle“. Die einen konnten's nicht fassen, dass alles schon wieder vorbei war. Die anderen haben allen Grund zur Vorfreude: Vier weitere Strunx-Sitzungen sind noch vom 23. bis 26. Februar zu erleben. Alle sind ausverkauft.